Über EinfachheitEs ist März 1998 und die Kischpflaume im Garten des Bach Centre steht in fast voller Blüte. Während der nächsten Tage steht die Zubereitung der Cherry Plum-Urtinkturen an. Wir werden genügend blühende Zweige sammeln, um damit zwei Tiegel zu füllen. Zurück in Mount Vernon werden wir Wasser in die beiden Tiegel giessen und es auf dem Herd zum Kochen bringen. Nachdem sie eine halbe Stunde gebrodelt haben, werden wir sie zum abkühlen in den Garten stellen. Später werden wir die Flüssigkeit abfiltrieren und mit derselben Menge Brandy gemischt in braune 1-Liter-Medizinalflaschen abfüllen.
Das ist die Urtinktur. Sie wird etikettiert und hier in Mount Vernon aufbewahrt. Wenn es soweit ist, die kostbare Tinktur zu Vorratslösungen zu verdünnen, wird sie zu Nelsons Abfüllanlage gebracht und von dort weltweit verschickt.
Die Herstellung ist ein einfacher Vorgang, der keinerlei besondere Vorbereitungen oder Fertigkeiten erfordert. Alles Notwendige sind Sonnenschein, Wasser, Brandy, Flaschen und die richtige Pflanze am richtigen Tag.
Während wir darauf warten, dass der Baum aufblüht, sind andere Dinge zu tun. Die letzte Stunde habe ich damit verbracht, emails von überallher auf der Welt zu beantworten – die meisten waren Anfragen wie die Mittel anzuwenden seien. Die Leute geraten in Verwirrung durch die vielen verschiedenen Ansichten, Auswahlmethoden und Überzeugungen, die damit verknüpft sind und sogar ganz klare Dinge, z.B. wie viele Tropfen je Gabe einzunehmen sind, können verwirrend werden, wenn verschiedene Autoren alles mögliche zwischen 2 und 16 Tropfen empfehlen. Doch ist die Einnahme der Mittel so einfach wie ihre Herstellung: man muss nur die Anweisungen in den Zwölf Heilern lesen, und diejenigen Blüten einnehmen, die man zu brauchen glaubt.
Wir haben viel Zeit damit verbracht, über Einfachheit zu sprechen, was vielleicht ein Hinweis dafür ist, dass die Leute Einfachheit für etwas schwieriges und kompliziertes halten. Sicherlich mag die Geschichte der Blütenmittel es so erscheinen lassen, dass es lange dauern kann, Einfachheit zu erlangen.
Dr. Bach erhielt seinen Doktortitel 1912 und sagte bei der Verleihung der Urkunden: "Es wird 5 Jahre dauern, all das zu vergessen, was mich gelehrt wurde". Tatsächlich dauerte es sogar länger. Erst 18 Jahre später kehrte er der schulmedizinischen Forschung den Rücken, zerstörte seine gläsernen Laborgeräte und verliess London.
Die Entdeckung der 38 Heilmittel dauerte weitere 5 Jahre. Dabei vervollkommnete Dr. Bach zwei gänzlich neue Verfahren, Medikamente aus Pflanzen zuzubereiten – die Sonnen- und die Kochmethode, die noch heute Anwendung finden. Gleichzeitig wuchs seine Empfindungsfähigkeit für die Natur und für die Menschen, die sich hilfesuchend an ihn wandten so sehr, dass er schliesslich selbst an den Symptomen und Geistesqualen litt, die seine Patienten durchmachten. Während der Suche nach den letzten 19 Mitteln im Jahr 1935 litt er in extremem Mass an den 19 Geisteszuständen, für die er ein Heilmittel benötigte und fand nur Erleichterung, wenn er die richtige Pflanze gefunden hatte.
Dr. Bach erklärte das System für vollständig, als er alle notwendigen Heilmittel gefunden hatte – insgesamt 38 Zubereitungen, die zu beinahe 293 Millionen unterschiedlichen Mischungen kombiniert werden konnten, aber doch so einfach herzustellen und anzuwenden waren, dass jedermann es tun konnte.
Dr. Bach erfreute sich vieler Jahre erfolgreicher Forschung in London. Sein Werk trug ihm Ruhm und ein hohes professionelles Ansehen sowohl bei schulmedizinischen als auch homöopathischen Ärzten ein. In den letzten Jahren hatte er einen völlig neuen Zugang zur Heilung begründet, der sich ausschliesslich auf die gefühlsmässige und geistige Gesundheit der Menschen statt auf ihre körperlichen Symptome konzentrierte. Wir könnten nun erwarten, dass er bei seinem Tod Regale voller Notizen und veröffentlichter Schriften hinterliess, um die Nachwelt zu beeindrucken. Aber auch hier war es seine Absicht, die Dinge so klar und einfach wie möglich zu belassen. Sogar während des Auffindens neuer Mittel strich Dr. Bach unnötige Ansichten und Theorien aus seiner Arbeit. Das Labor und seine schulmedizinische Forschung machten den Anfang, aber noch mehr sollte folgen.
Bei seinem Fortschritt gab er Hilfsannahmen auf, erforschte und sah von Verbindungen zwischen den menschlichen Blütentypen und der Astrologie ab, hörte auf, Diagnosen nach körperlichen Symptomen zu stellen und verwarf die Ansicht, dass verschiedene Heilmittel auf "höheren" oder "niedrigeren" Ebenen wirkten, als unnötig.
Gegen Ende [seines Lebens] zündete er im Garten von Mount Vernon ein Feuer an, in dem er viele seiner frühen Notizen verbrannte, um zu verhindern, dass sie zurückblieben und in Zukunft die Menschen in die Irre führten. Alles, was gesagt werden musste, war auf den 32 Seiten der Zwölf Heiler gesagt. In seinen Gedanken waren die abgelegten Werke und verworfenen Theorien nur Gerüste: nützlich, solange die Mauern hochgezogen wurden und das Dach errichtet wurde, aber hinderlich und unnötig, wenn die Menschen erst einmal bereit waren, in und mit dem fertigen Haus zu leben.
Im Jahr 1936 begannen ein paar Leute die Idee zu verbreiten, alle 38 Mittel in einem Elixier zu vereinigen um so jedermanns Probleme mit einer einzigen Mischung zu lösen – ein Einfall, den Dr. Bach schon ausprobiert und verworfen hatte. "Ich denke, ihr habt nun jede Phase des Werkes gesehen" schrieb er seinem Freund Victor Bullen im Oktober des Jahres, einen Monat vor seinem Tod. "Es ist der Beweis für den Wert unserer Arbeit, wenn materielle Kräfte versuchen, sie zu entstellen, denn die Entstellung ist eine viel grössere Waffe als der Versuch der Zerstörung." Im selben Brief gab er auch den Weg vor, den seine Nachfolger gehen sollten. "Unsere Aufgabe ist es, unerschütterlich an der Einfachheit und Reinheit dieser Heilweise festzuhalten", schreibt er, "und wenn die nächste Ausgabe der Zwölf Heiler notwendig wird, brauchen wir ein längeres Vorwort, das die Unschädlichkeit, Einfachheit und die wunderbaren Heilkräfte dieser Heilmittel nachdrücklich bekräftigt."
Einfachheit und Reinheit: das Bach Centre besteht, weil Victor und Dr. Bachs Langzeit-Assistentin Nora Weeks Dr. Bach versprachen, dass sie diese Werte weiterhin hochhalten würden.
Aber die Zeiten verändern sich, sagt des Teufels Advokat. Dinge werden komplizierter. Heute gibt es alle möglichen mächtigen Hilfsmittel, die zu Dr. Bachs Zeiten nicht verfügbar waren – Hilfsmittel, die er selbst angewandt hätte, hätten sie ihm zur Verfügung gestanden. Und jede Woche hören wir von neuen Weisen, die Mittel auszusuchen oder anzuwenden oder sie herzustellen oder neuen Mitteln die den ursprünglichen 38 zugefügt werden könnten – bestimmt sind diese Meinungen wertvoll und wert, sie auf irgendeine Weise aufzunehmen und zu unterstützen.
Es steht jedem frei, andere Wege zu suchen, mit diesen Mitteln zu arbeiten oder neue Heilmittel herzustellen oder einen eigenen theoretischen oder religiösen Überbau zu entwickeln. Unser Weg ist ein anderer. Zu Dr. Bachs Zeiten war es möglich, in den Zwölf heilern zu lesen und die Einfachheit und Reinheit der ursprünglichen Konzeption zu erfahren. Dank der Anstrengungen der Erben Dr. Bachs – unserer Vorgänger am Bach Centre – haben die Menschen heute dieselbe Möglichkeit. Es ist heute und morgen unsere Pflicht, sicherzustellen, dass das einfache Herz des Werkes in auch Zukunft weiterschlägt.
Das bedeutet mehr, als Dr. Bachs Buch verfügbar zu halten und sein Haus für Besucher offen zu halten. Es bedeutet auch, hier zu leben, wie es Dr. Bach und Nora und Victor taten, über sein Werk zu sprechen und angesichts jedes Versuchs, das Werk komplizierter zu machen und es zu erweitern, seine Einfachheit zu betonen. Es gibt überall Gurus und Hohepriester für diejenigen, die sie wollen. Unsere Kirche ist eine niedere Kirche, mit wenig Förmlichkeiten und weniger Ritual, in der das einfache und ursprüngliche Wesen dasselbe bleibt, wie es in den 1930er Jahren war.
Das bedeutet, dass ihr die zeit anhalten wollt. Ihr wollt dem Werk nichts hinzufügen, auch wenn diese Erweiterungen das Werk nützlicher machen könnten.
Das Geheimnis grosser Bildhauer besteht darin, die Skulptur aus dem Stein zu befreien, in dem sie schon beschlossen liegt und wenn sie sie aus dem Stein herausgeholt haben, das Werkzeug wegzulegen. Wie die Skulptur im Stein wurden die Blütenmittel nicht von Dr. Bach geschaffen, sondern von ihm "ent-deckt". Er sprach von ihnen durchweg nicht als persönliche Errungenschaft, sondern als Geschenk der Natur und von Gott. Und wie er sagte: "Da uns wurde ein Juwel von solcher Grösse geschenkt wurde, kann uns nichts vom Pfad der Liebe und der Pflicht abbringen, seinen Glanz rein und unverschmuckt unter den Menschen der Welt zu verbreiten."
Weil es ein Geschenk und keine menschliche Schöpfung ist, ist das System der 38 Blütenmittel in sich perfekt und vollständig. Wir gründen diesen Anspruch auf zwei Tatsachen: Erstens haben sich die menschlichen Gefühle seit den 1930er Jahren nicht verändert, obwohl die Auslöser unserer Ängste und Sorgen, unserer Eifersucht und Begeisterung andere sind; und zweitens mussten wir in über sechzig Jahren noch niemanden wegschicken. Und in dieser zeit haben die Menschen nicht nur die Blütenmittel bekommen, sondern auch gelernt, sie anzuwenden, was sie nicht getan hätten, wäre das System komplizierter als es ist.
Dr. Bach hatte die Gabe, durch Handauflegen zu heilen, aber er wusste, dass nicht jedermann darüber verfügte und dass sie nicht einfach gelernt und weitergegeben werden konnte. Die Blütenmittel und die einfache Weise, wie mit ihnen zu arbeiten ist, legt dieselbe Macht zu heilen in die Hände aller. "Bedenkt noch einmal, welche Freude das all jenen bringt, die fähig sein möchten, denen etwas Gutes zu tun, die krank sind" betonte er nachdrücklich während einer öffentlichen Lesung, die er in Wallingford zwei Monate vor seinem Tod hielt. "Es gibt ihnen die Fähigkeit, Heiler unter ihren Genossen zu sein."
Dies ist Dr. Bachs zentrale Botschaft: Wir alle sind Heiler. Jeder kann die Blütenmittel anwenden. Jeder kann gesunden und währenddessen verstehen, wer er ist und Verantwortung für sein eigenes Schicksal übernehmen.
Warum bildet das Bach Centre denn dann professionelle Practitioner aus, fragt des Teufels Advokat.
Das Centre hat keine professionellen Practitioner geschaffen – es gibt sie bereits und Menschen suchen sie auf, weil sie von ihnen Hilfe erfahren. Manche beruflichen Heiler haben sich entschieden, auf eine Art und Weise zu arbeiten, die die Menschen schwer verständlich finden und die ein Gefühl des Geheimnisvollen und der Abhängigkeit unterstützen. Wir bilden Menschen darin aus, als Lehrende zu arbeiten, sodass sie ihren Klienten etwas über die Blütenmittel beibringen und die Klienten lernen, die Mittel für sich selbst anzuwenden. Unsere besten Practitioner "verlieren" all ihre Klienten und sind glücklich darüber.
Dr. Bach arbeitete mehrere Jahre in Krankenhäusern und war sich wohl bewusst, welch negativen Auswirkungen sie auf den menschlichen Geist haben. Nachdem er London verlassen hatte und begonnen hatte, mit den Blütenmitteln zu arbeiten, träumte er von einer anderen Art Krankenhaus, wohin die Menschen freiwillig gehen würden, um sich selbst wiederzufinden und um die Aufgaben zu lernen, die das Leben sie lehrt. Er träumte von Ärzten, die ihre Patienten als Individuen sehen und eher die menschliche Natur erforschen als Reagenzgläser und Laborergebnisse. Und er stellte sich Patienten vor, die die Verantwortung für ihre eigene Gesundheit übernahmen, indem sie sich auf die Bedürfnisse ihrer Seele verstanden und diese annahmen, statt nur den körperlichen Beachtung zu schenken.
Wenn man darüber nachdenkt, kommt man zu einem überraschenden Schluss: das Krankenhaus und der Arzt und der Patient, die Dr. Bach beschreibt, sind ein und dasselbe. Sie befinden sich in jedem einzelnen von uns. Das Krankenhaus ist nicht ein Gebäude irgendwo, sondern eine Geisteshaltung in uns, ein Winkel der Seele. Der Arzt der Zukunft und der ermächtigte Patient sind Du und ich, wir helfen uns selbst und uns gegenseitig mit diesen Heilmitteln.
Schöne Worte, aber die Mittel werden wie Gemüse auf dem Markt verkauft. Wo steckt da die Selbsthilfe?
Jeder kann seine eigenen Mittel selbst herstellen, deshalb wurden die Anweisungen, wie sie anzufertigen sind, nie patentiert, sondern veröffentlicht, zuerst in den früheren Ausgaben der Zwölf Heiler und neuerdings in Noras und Victors Buch 38 Bach Original Blütenkonzentrate – Die speziellen Potenzierungsmethoden.
Aus offensichtlichen Gründen finden es die meisten Menschen einfacher und bequemer, Mittel zu verwenden, die jemand anderer für sie angefertigt hat. Um diesem Bedürfnis nachzukommen haben Dr. Bach und später Nora und Victor ihre eigenen Vorratsflaschen zur Abgabe an Patienten angefertigt und einigen ausgewählten Apotheken in London die Urtinkturen mit genauen Anweisungen, wie diese zu Vorratsflaschen zu verdünnen sind, zur Verfügung gestellt um sie über deren Läden zu vertreiben.
Heute gehen die vom Bach Centre hergestellten Urtinkturen an eine der drei ursprünglichen Handelsgesellschaften, Nelsons, die die Mittel in der ganzen Welt vertreiben. Anstatt nur an wenigen ausgesuchten Orten können die Mittel heute leicht in den meisten Haupteinkaufsstrassen gekauft werden. Vor einigen Jahren begannen zum ersten Mal einige Supermärkte sie zu verkaufen.
Bach würde sich im Grab herumdrehen, wüsste er davon.
Jeder Gedanke an Dr. Bach als ätherischer, esoterischer Mystiker, der vor gewöhnlichen Menschen zurückschreckte, ist weit entfernt von dem Menschen, von dem wir wissen. Der wahre Dr. Bach leitete gewöhnlich Singrunden im Dorfpub und spielte mit den Kindern des Ortes Fussball. Dr. Bach widersetzte sich dem General Medical Council, indem er eine Anzeige in Zeitungen setzte, und als ihm der General Medical Council schrieb, um ihn zu tadeln, antwortete er: "Die Anzeige diente dem Allgemeinwohl, was, wie ich es sehe, die Aufgabe unseres Berufsstandes ist."
Dr. Bach wäre entzückt zu sehen, dass die Blütenmittel zusammen mit dem Kohl zu Markte getragen werden, weil das es den Leuten einfacher macht, sie zu bekommen und anzuwenden. "Ich wünsche es mir so einfach" sagte er, "wenn ich hungrig bin, gehe ich in den Garten und hole mir einen Salatkopf zum Tee; wenn ich Angst habe und krank bin, nehme ich eine Gabe Mimulus." Menschen in den Städten, die keinen Garten haben, kaufen ihren Salat in Supermärkten; es wird eine Zeit kommen, in der sie ihre Heilmittel genauso einfach bekommen werden.
Wir haben es nie verleugnet: Einfachheit ist für uns so schwer aufrechtzuerhalten, wie sie für Dr. Bach schwer zu erreichen war. Seit Nora Weeks 1968 die Originallizenzen für die Blütenmittel erhielt, hat der Wunsch, sie unverändert und für so viele Menschen wie möglich zugänglich zu bewahren, uns in so seltsame Bereiche wie Direktiven und Vorschriften des Europarates, amtliche Überprüfungen, Qualitätskontrolle, British Standards und Feuerversicherung geführt, die eine Million Meilen von Schüsseln, Tiegel und Blütenköpfen entfernt scheinen...
Aber die Schüsseln, Tiegel und die Blüten gibt es noch immer, und die Urtinkturen, die aus den Pflanzen von Mount Vernon hergestellt werden und die Botschaft von der Selbst-Heilung sind die gleichen, die sie waren, als Dr. Bach 1936 hinunter nach Wallingford wanderte, um der Welt sein Werk zu schenken. Das Krankenhaus der Zukunft, dieses Allerheiligste des Friedens, der Hoffnung und der Freude, ist jetzt in uns, wenn wir uns nur entscheiden, es zu "ent-decken".